Freitag, 18. Februar 2011

Der Weg zurück in die Normalität

Seit Mubarak seinen Rücktritt erklärt hat, hat sich die Stimmung im Land gewaltig verändert. Es ist, als wäre ein großer Ruck durch das ganze Land gegangen! Wenn die Ägypter es gemeinsam schaffen, das Regime abzuschaffen, dann schaffen sie alles, was sie wollen! Also heute will ich mal über ein paar positive Dinge schreiben, die die Revolution so mit sich gebracht hat:
Nach dem Anschlag auf die Kirche in Alexandria Ende letzten Jahres war das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen eher angespannt. Doch auf dem Tahrirplatz machte es dann plötzlich keinen Unterschied mehr, welcher Religion man angehört. Alle haben zusammen für das selbe Ziel gekämpft! Als die Moslems Freitags ihre Gebete gemacht haben, haben die Christen sie durch eine Menschenkette geschützt, Sonntags haben die Christen dann gefeiert und die Moslems haben sie abgeschirmt.
Bei uns am Roten Meer trifft es die Menschen gerade echt hart, weil die Touristen ja erstmal wegbleiben (egal ob sie trotzdem kommen wollten oder nicht, die Flüge waren ja gestrichen). Morgen kommen aber zum ersten Mal wieder fünf Flugzeuge aus Deutschland, es gibt nämlich auch Leute, die jetzt gerade ganz bewusst nach Ägypten reisen, um die Leute hier zu unterstützen.
Am Montag gab es hier eine große Party in Hurghada unter dem Motto "I love Egypt". Es gab eine große Bühne mit Livemusik, alle Touristen aus allen Hotels, die gerade noch da sind, wurden mit Bussen hergebracht und Essen und Trinken wurde von Hotels und Restaurants hier gesponsert. Ziel war es eigentlich zu zeigen, dass die Touristen keine Angst haben müssen, wieder herzukommen. Viele Ägypter hatten Schilder auf denen Stand: "Dear Tourists. Don't leave. We'll protect you!" Natürlich gab es auch genug Zeit zu feiern, dass Mubarak weg ist. Besonders gut kam das Lied "Stand up for your rights" an in einer umgedichteten Version über den korrupten Mubarak.
Übers Internet wurden immer wieder die Leute in Kairo dazu aufgefordert, den Tahrir Square so ordentlich wie möglich zu halten. Die Leute wollten nicht, dass der Platz dreckig wird, weil sonst ja die ganze Welt gedacht hätte: wenn die Ägypter nicht einmal den Platz sauber halten können, wie wollen die dann das Land ohne den allmächtigen Mubarak leiten. Also der Platz war tatsächlich immer blitzsauber und nach den großen Freudenfeiern kamen tatsächlich hunderte von Leuten und haben mitgeholfen aufzuräumen. Diese Welle ist heute auch nach Hurghada geschwappt! Ich dachte heute noch, als ich unterwegs war, dass es seltsam war, dass alle Leute am putzen waren. Ich bin die Sheraton Straße entlang gelaufen und überall wurde geputzt und aufgeräumt. Schlaglöcher wurden geflickt, Müll weggeräumt, gekehrt, geschrubbt, es war wirklich seltsam. Als ich dann gerade im Internet war habe ich den Aufruf bei Facebook gesehen, dass heute alle helfen sollen, die Stadt aufzuräumen. Na, also jetzt können die Touris wieder kommen!
Bei mir geht am Sonntag die Schule wieder los nach drei Wochen Zwangspause. Die letzte Woche habe ich mit meiner Klasse Notunterricht gemacht. In einem leerstehendem Frisörladen! War lustig und wir haben das beste aus der Situation gemacht, aber ich freue mich, wenn es wieder ganz normal an der Schule weitergeht.

Freitag, 11. Februar 2011

Achterbahn der Gefühle

Nach 18 Tagen der Proteste kam heute endlich die erlösende Nachricht: der alte Mann geht endlich nun doch! Die letzten zwei Wochen waren zermürbend, langweilig, manchmal hoffnungsvoll und dann doch wieder deprimierend. Der Tag gestern war am allerschlimmsten. Morgens treffe ich noch die Elternvertreterin unserer Schule und wir hatten große Hoffnungen, dass die Schule am Sonntag wieder aufmachen kann. Gegen Mittag kam dann die niederschmetternde Nachricht, dass die Schule vorraussichtlich noch mindestens eine weitere Woche geschlossen bleiben muss. Schon wieder eine weitere Woche, und dann wusste ja niemand, ob es bei der einen Woche bleibt oder ob die Schule sogar noch länger geschlossen bleiben muss. Am späten Nachmittag kamen dann Gerüchte auf, Mubarak könnte zurücktreten. Meine erste Reaktion war Skepsis, aber immer mehr Nachrichtensender waren überzeugt davon, CNN, BBC und ZDF hatten alle ihre Experten, die sich sicher waren, dass er eben dies in seiner Ansprache an das Volk verkündigen würde. Die erste live Ansprache in seiner nun doch schon etwas länger andauernden Amtszeit. Und es wurde verlautet, er würde allen Forderungen der Protestler erfüllen, na wenn das keine guten Aussichten waren. Die Erwartungen stiegen ins Unermessliche, besonders weil die Rede immer wieder nach hinten verschoben wurde. Immer mehr Leute sind auf den Tahrir-Platz geströmt, alle waren in freudiger Erwartungen - und dann diese herbe Enttäuschung!! Was für eine blöde Rede!! Das konnte ja wohl nicht sein Ernst sein! Ich bin irgendwann ins Bett gegangen, meine Laune war extrem schlecht, würde sagen, das war mein persönlicher Tiefpunkt bisher in den letzten zwei Wochen. Und als ich aufgewacht bin, war die Laune immer noch schlecht. Und krank hab ich mich dann auch noch gefühlt, ich wollte eigentlich gar nicht erst aufstehen. Irgendwann musste ich ja dann doch aufstehen und eigentlich wollte ich heute gar keine Nachrichten anschauen. Habe ich dann aber doch irgendwann, und dann wurde da eine Bekanntgabe von Mubarak angekündigt. Ich hatte da überhaupt keine Erwartungen, besonders nicht nach der Rede von gestern. Also war ich echt total überrascht, als dann verkündigt wurde, dass Mubarak zurück tritt. Ich konnte es erst gar nicht glauben! Bei mir im Haus gab es Freudenschreie irgendwo aus den oberen Stockwerken und kurz danach Autokorsos und Jubeltänze auf den Straßen. Dann die Bilder aus Kairo, die werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Tja, und meine Laune war dann auch wieder bestens! Klar ist noch nicht alles geregelt und kleine Unsicherheiten bleiben, aber für heute denke ich da noch nicht dran und freue mich und bin erleichtert, dass das bange Warten, Hoffen, Enttäuschtwerden vor dem Fernseher jetzt hoffentlich erstmal vorbei ist.

Mittwoch, 2. Februar 2011

...und immer noch Unruhen

Seit heute habe ich wieder Internet, die letzten Tage war also nicht nur Google und Facebook gesperrt, sondern das komplette Internet. Da merkt man erstmal, wie abhängig man doch davon ist! Gerade in Zeiten, in denen es so unruhig im Land war. Also um alle zu beruhigen, hier in Hurghada ist alles sehr ruhig und eigentlich so wie immer. Die Hotels sind (noch!) voll, das wird sich allerdings in der nächsten Zeit ändern. Das wird Hurghada hart treffen, hier sind doch fast alle direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig und viele haben Angst, wie es hier weitergeht, die Hoteliers, die Tauchbasen, die Souvenirshops und die Restaurants... Naja, und unsere Schule bleibt jetzt auf jeden Fall noch bis zum 13. Februar geschlossen. Vielleicht machen wir Notunterricht in der nächsten Woche, vielleicht bin ich da schon wieder in Deutschland. Gerade ist alles sehr unklar, wie es weitergeht. Für alle Fälle habe ich einen Notkoffer schon gepackt und zum Flughafen sind es ja nur ein paar Minuten. Manche Länder haben schon ihre Landsleute ausgeflogen, gestern kam ein Flugzeug aus der Türkei und hat alle türkischen Landsleute ausgeflogen. Da war ich gerade im Grand Hotel, da ist der Hotelmanager Türke und der hat einen Großteil der Angestellten aus der Türkei angeheuert. Knall auf Fall mussten die dann alle gehen, und eine halbe Stunde später am Flughafen sein. Das war schon hart, Tränen sind geflossen und die wussten ja auch nicht, wann und ob sie wieder kommen. Seit heute morgen geht ja wieder das Internet, da haben dann auch alle Eltern der Schule dann über eine Facebook Statusanzeige mitgeteilt, dass die Schule länger geschlossen bleibt. Naja, nachdem die Proteste in Kairo heute Abend nochmal so richtig eskalieren, war das ja vielleicht doch eine gute Entscheidung. Man weiß es eben nicht. Also, wenn's was Neues gibt, melde ich mich wieder. Ansonsten harre ich hier erstmal der Dinge, im Moment ist hier nichts zu befürchten. Hoffentlich bleibt es auch so!